19. September 2007

Deutsche Sprache, schwere Sprache.

Ich habe gerade eines meiner Tagebücher aus Jugendzeiten gefunden. Darin steht, ich wolle Lehrer für Deutsch als Fremdsprache werden. Mittlerweile finde ich das utopisch, ist doch die deutsche die allerschwerste Sprache überhaupt. Man stelle sich doch mal vor, was wir uns für einen Luxus in unserer Sprache leisten.

Wir haben drei Artikel (der, die, das).
Wir haben jeweils drei Zahlformen (eins, eine, einer)
Wir haben vier Fälle (Nominativ, Akkusativ, Dativ, Genitiv)
Wir haben komische Angewohnheiten, Zahlen auszusprechen (Achtundzwanzig statt Zwanzig-und-Acht)
Außerdem malen wir auf bestimmte Vokale komische Pünktchen (ä, ö, ü)
Die Krönung: Wir haben sogar einen Buchstaben, den es nur in unserer Sprache gibt (ß)

Doch selbst wenn ausländische Personen, die sich allen Ernstes dem Wahnsinn hingeben wollen, Deutsch zu erlernen, dies beherzigen und erlernt haben, treffen sie unweigerlich auf weitere Sprachkuriositäten. Oden könnten Sie erklären, warum ...

... für "der Mann" (masculinim) im Plural der weibliche Artikel verwendet wird (die Männer)?
... wir "das"/"dass" mal so und mal so schreiben, manchmal so gar "daß"?
... wir Handy statt Mobiltelefon (engl. mobile phone) sagen?
... wir überhaupt einen Neutrum-Artikel brauchen?
... es unendlich viele Möglichkeiten gibt, dass Wort "das" zu charakterisieren (Artikel, Possesivpronomen, Demonstativpronomen ...)

Vielleicht sollte man die Deutsche Sprache einer prinzipiellen Raison unterziehen. Oder doch lieber nicht. Ist doch unsere Sprache das einzige Instrument, dass und bleibt, uns gegenüber den anderen Staaten abzugrenzen und zu profilieren. Immerhin können wir mit Stolz behaupten, wir besäßen eine "eigene" Sprache und sprächen nicht Französisch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch oder Russisch.

Aber sprechen wir überhaupt Deutsch? Was ist das denn, die Deutsche Sprache? Im Grunde eines: Das Stiefkind, entstanden aus der morganatischen Ehe des Germanischen mit dem Latein, wobei ungeklärt ist, ob nicht auch Griechische Einflüsse zur Zeugung beitrugen. Das ganze möchte ich an einem Beispiel erläutern.

Annette Schavan schlägt die prinzipielle Reform des Universitäts-Systems der Republik vor. (aus: Neue Zürcher Zeitung)


Ein Satz, aus dem Leben gegriffen. Vor allem: ein deutscher Satz. Tatsächlich Deutsch?

prinzipiell: Latein, principium = Anfang, Ursprung
Reform: Latein, re- = zurück + Latein, formatio = Gestaltung
Universität: Latein, universitas = Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden
System: Altgriechisch, systema = Gebilde
Republik: Latein, res publica = öffentliche Sache

und zu guter Letzt:

Annette: Französisch, Verkleinerungsform der Namens Anna.

Ein außerordentlich bezeichnender Schnitt: Sieben von elf Wörtern eines Satzes aus einer typischen deutschsprachigen Zeitung besteht aus lateinischen und anderssprachlichen Einflüssen.

Mit Sprachen ist es eben so eine Sache. Am Liebsten hätte jeder Staat seine eigene, ja jedes Gebiet am besten. Das merken wir doch schon innerhalb unseres Mikrokosmos: Sagen Sie doch mal einem Bayern, er spräche dieselbe Sprache wie ein Kärtner. Und wenn wir Vergleiche zwischen Zürchnern und Friesen anstellen, wird die Sache sehr kitzelig.

Sprache ist doch heutzutage nur noch ein Prestigeobjekt. Unser aller Sprache ist doch das Globalisierungs-Englisch. Ich sage extra Globalisierungs-Englisch und nicht einfach Englisch, denn mit dem tatsächlichen Vornehmen british english hat das derzeit gesprochene Globalisierungs-Englisch nicht mehr viel zu tun; Shakespeare würde sich im Grabe umdrehen.

Aber das ist ein anderes Thema, wollte ich doch Deutsch- und nicht Englischlehrer werden. Vielleicht wäre ja Lateinlehrer das richtige gewesen.

Keine Kommentare: