19. August 2008

Was bisher geschah

Justus von S., die Diva, die ueber Jahrhunderte europaeische Kulturgeschichte geschrieben hat, ist zurueck. Wollen wir mal sehen, was bisher geschah.

Justus von Schirach hat tatsaechlich vier Vornamen und wurde vor etwas mehr als zwanzig Jahren in Wien, der Hauptstadt der Republik Oesterreich, in eine Advokatenfamilie hineingeboren. Natuerlich hat er sich das nicht ausgesucht, wie so vieles im Leben. Zum Beispiel die Tatsache, dass er noch im Grundschulalter nach Deutschland verschleppt wurde. Er musste in Muenchen wohnen und sich mit den dortigen Menschen fuer einen unerhoert langen Zeitraum arrangieren.

Anschliessend studierte er irgendwas an irgendeiner Universitaet und wurde schliesslich zum Doktor ernannt. Seitdem arbeitete er als etwas, das so aehnlich ist, wie Architekt.

Nach dem Studium lebte Herr von S. fuer ein Jahr in St. Petersburg, ohne erwaehnenswerte Russischkenntnisse zu erwerben. Aus Prestigegruenden erwaehnt er allerdings gern, er koenne perfekt auf Russisch parlieren. Nach dem Abschluss seiner Russischen Phase kehrte S. nach Oesterreich zurueck und lebte fuer ganz kurze Zeit in Salzburg. Dort hoerte er zum ersten Mal in seinem Leben ein Musikstueck von Mozart. Bald wurde es ihm fad und so zog er dort hin, wo alle Menschen wohnen, denen es fad ist: Nach Deutschland, genauer: nach Rheinland Pfalz, dem Heimatland von Kurt Beck, der wandelnden Spasskanone.

Die Domstadt Speyer wurde zu S. neuer Heimat und er arbeitete fuer eine relativ lange Zeit sehr fleissig als Architekt. Dann wurde ihm alles zu viel und er machte mehrmals im Jahr Urlaub, zum Beispiel am Genfersee, wo er zu verklaerende Maennerbekanntschaften machte. Zu einem unrelevanten Zeitpunkt zog er uebrigens wieder in seine Geburtsstadt, Wien, zurueck.

Im Oktober letzten Jahres beschloss Herr von S. mehr oder weniger freiwillig in ein Sanatorium zu gehen. Ja, genau, ein Sanatorium ist ein Haus, in dem sich Geistesgestoerte und sonstige Bekloppte vorzueglicherweise aufzuhalten pflegen. Dort lernte er uebrigens Thomas Mann kennen. Nach ein paar Wochen beschloss Herr von S. die Anstalt zu verlassen, kehrte aber kurze Zeit spaeter wieder zurueck und blieb fuer einige Monate Dauergast. Zwischenzeitlich las er das epische Gesamtwerk von Thomas Mann, uebertrug es ins Russische, lernte Franzoesisch, Sanskrit und Esperante, erfand ein Mittel gegen Krebs und lernte Ségolène Royale kennen. Mindestens eine der genannten Aktivitaeten spielte sich in seiner Fantasie ab. Schliesslich befand man, er muesse die Dienstleistungen nicht laenger in Anspruch nehmen.

Sodann trabte S. nach Wien zurueck und mietete sich zusammen mit einer Freundin, die bezeichnenderweise gerade eine Gehirnoperation hinter sich gebracht hatte, in eine Wohnung am Schottenring in Wien. Fuer alle die es noch nicht wissen sollten: Das ist quasi die oesterreichische Reeperbahn. Im Laufe der Zeit wohnten insgesamt fuenfzehn Menschen in dieser Wohnung, natuerlich unterschiedlich Lange und in unterschiedlicher Besetzung.

Im Februar beschloss die Wiener Gendarmerie, das ist die sogenannte Landpolizei, es waere angebracht, Herrn von S. und seinen Freunden beim Auszug behilflich zu sein, was zur Folge hatte, dass Herr von S. schockiert das Land verließ und seinen oesterreichischen Pass an der Grenze verbrannte. Seit dem bezahlt er uebrigens keine Steuern mehr.

Heute lebt Justus von S. in Paris. Er ist aufgrund ungluecklicher Umstaende mindestens einmal verwitwet, hat keine Kinder und treibt seine Angestellten nur noch unregelmaessig per Telefon zur Arbeit an. Nur noch ganz selten arbeitet er selbst, denn er ist laengst der reichste Mensch des Kontinents, ach, der Welt. Er ist mittlerweile 30 und der festen Ueberzeugung, dass die Haelfte seines Lebens laengst vorbei ist. Trotzdem hat er doppelt so viel gesehen wie Du und Deine Mutter zusammen.

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